Stark bleiben - Suchtmittelkonsum älterer Menschen

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Suchtmittelkonsum älterer Menschen

Mit Zunahme der Lebenserwartung erlangt auch das Thema "Gesundheit im höheren Lebensalter" eine wichtige Bedeutung. Zentraler Aspekt für gesundes Älterwerden ist dabei der Erhalt der körperlichen und geistigen Funktionsfähigkeit. Unabhängig von Erkrankungen spielen dabei in der Bevölkerung altersassoziierte Gesundheitsprobleme wie z. B. Stürze und demenzielle Erkrankungen, der Verlust der unabhängigen Lebensführung, ungeplante Krankenhausaufenthalte und eine erhöhte Sterblichkeit eine entscheidende Rolle.
Die Entstehung dieser Probleme können durch riskanten Alkoholkonsum und einen unkontrollierten Medikamentengebrauch - früher oder später - deutlich beschleunigt werden.

Medikamente

Auch Medikamentenprobleme werden oft erst im Alter sichtbar. Insbesondere Beruhigungs- und Schlafmittel versprechen schnelle Abhilfe bei seelischen Beschwerden wie zum Beispiel Bedrücktheit oder Nervosität oder hormonelle Beschwerden bei Frauen in den Wechseljahren.

Es gibt durchaus Situationen, die die Einnahme solcher Medikamente notwendig machen. Wegen des hohen Suchtpotenzials sollten sie nur kurz und nach vorheriger Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt eingenommen werden.

Von einem riskanten Medikamentengebrauch sind vor allem Frauen betroffen.

  • Bei ca. 5% der über 60-jährigen Menschen in Deutschland ist von problematischem Konsum von Schlaf- und Beruhigungsmitteln auszugehen (Schätzung; Epidemiologischer Suchtsurvey 2015)
  • Rund 1,2 Millionen Menschen sind geschätzt abhängig von Benzodiazepinderivaten, weitere 300.000 bis 400.000 von anderen Arzneimitteln (Glaeske, in Jahrbuch Sucht 2016; Soyka et al 2005)
    -> das bedeutet bezogen auf NRW: 240.000 Menschen abhängig von Benzodiazepinderivaten sowie weitere 60.000 bis 80.000 von anderen Medikamenten (geschätzt rund 300.000 Medikamentenabhängige in NRW)

  • Bei 1,0 bis 2,0 Mio. der über 60-jährigen Frauen und Männer weist der Gebrauch psychoaktiver Medikamente und Schmerzmittel zumindest Gewohnheitscharakter auf.

  • 4-5% aller häufig verordneten Medikamente wie z.B. Beruhigungs- und Schlafmittel besitzen bei langfristiger regelmäßiger Einnahme Abhängigkeitspotenzial. (Glaeske; in DHS, Jahrbuch Sucht 2016)

  • 26,5% der Bevölkerung (Frauen: 30,8%; Männer: 22,3%) leiden mindestens 3-mal pro Woche unter einer Schlafstörung, bei den 70- bis 79-Jährigen nimmt dieser Anteil auf bis zu 37,5% zu. (Quelle: B.-M. Kurth (2012): Erste Ergebnisse aus der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS), Bundesgesundheitsbl 2012 · 55:980–990)

  • Bei etwa 15% der Menschen, die von ambulanten Pflegediensten und in stationärewn Altenhilfeeinrichtungen betreut werden, ist von problematischenm Alkohol- und Medikamentenkonsum auszugehen (Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit)
  • Über 65-jährige Menschen nehmen mehr als 70% aller verschriebenen Arzneimittel ein: bei 40% werden acht Wirkstoffe und mehr zugleich verordnet, rund 20% erhalten mehr als 13 Wirkstoffe (BMBF 2012, Medikamente im Alter)

  • Medikamentenmix kann zu neuen unberechenbaren Neben- bzw. Wechselwirkungen führen.

  • Laut Epidemiologischen Suchtsurvey (2015) gibt es aktuell einen deutlichen Anstieg  beim Konsum von Schmerzmitteln. Unklar ist noch, inwieweit dies überwiegend rezeptfreie Schmerzmittel oder rezeptpflichtige Schmerzmittel mit erheblichen Suchtpotenzial sind.

Prävalenz des Gebrauchs von Medikamenten (mindestens einmalig in den letzten 12 Monaten)

Altersgruppe 50 - 59 Jahre 60 - 64 Jahre
Männer Frauen Männer Frauen
Schmerzmittel 48,4% 62,2% 41,6% 48,7%
Schlaf- und Beruhigungsmittel
6,0% 11,3% 5,0% 12,3%

Quelle: Piontek et. al. 2014 - Kurzbericht epidemiologischer Suchtsurvey 2015

Tägliche Einnahme (in den letzten 30 Tagen)

Altersgruppe 50 - 59 Jahre   
60 - 64 Jahre   
Schmerzmittel 6,3% 6,1%
Schlaf- und Beruhigungsmittel

2,1%

2,3%

Quelle: Epidemiologischer Suchtsurvey 2012 (Pabst et al 2013)

Durchschlafstörungen sind insgesamt weitaus häufiger als Einschlafstörungen. Etwa ein Viertel aller Teilnehmenden berichtete, in den letzten 4 Wochen 3-mal oder häufiger in der Woche von Durchschlafstörungen betroffen gewesen zu sein.
Im Altersgang zeigte sich sowohl für Männer als auch für Frauen eine signifikante Zunahme an Durchschlafstörungen über alle Altersgruppen, wobei sich für Frauen – bei einer hohen Ausgangsprävalenz von 17,9% bei den 18- bis 39-Jährigen – die Rate an Durchschlafstörungen auf 34,4% bei den über 60-Jährigen nahezu verdoppelte.

Die Prävalenz eines Insomniesyndroms in der deutschen Erwachsenenbevölkerung mit knapp 6% ist als hoch und nicht zuletzt aufgrund der hohen gesundheitsökonomischen und volkswirtschaftlichen Folgekosten von Schlafstörungen als gesundheitspolitisch bedeutsam zu bezeichnen. Insomnien sind in der Regel vergleichsweise kostengünstig behandelbar. Als wirksam haben sich hierfür unter anderem psychoedukative Maßnahmen wie die Vermittlung „schlafhygienischer“ Regeln, die Umbewertung dysfunktionaler schlafbezogener Gedanken (z. B. „Jeder Mensch braucht 8 Stunden Schlaf“), die Konfrontation mit den auslösenden schlafbehindernden Situationen sowie das Erlernen von Entspannungstechniken, aber auch die medikamentöse Therapie unter ärztlicher Kontrolle, erwiesen.

Quelle: Schlack/Hapke/Maske/Busch/Cohrs (2013): Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen und Insomnie in der deutschen Erwachsenenbevölkerung - Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1), Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 5/6 · 2013, S. 740–748

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Alkohol

Manche ältere Menschen suchen in schwierigen Lebenssituationen Entlastung durch den Konsum von Alkohol. Es wird davon ausgegangen, dass sich bei jedem dritten alkoholabhängigen älteren Menschen dieses Problem erst nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben entwickelt.

Möglicher Grund hierfür ist die Schwierigkeit, neue, oft belastende Lebenserfahrungen zu bewältigen. Doch der Konsum von Alkohol entlastet nur scheinbar und erhöht das Risiko, abhängig zu werden. Dies gilt grundsätzlich für jeden Lebensabschnitt, besonders aber für das Alter.

Ein Alkoholproblem im Alter entwickeln laut Statistik mehr Männer als Frauen.

  • Riskante Mengen Alkohol werden im Erwachsenenalter am häufigsten von Männern in der Altersgruppe von 60-69 Jahren (jeder 4 = 25%) getrunken und bei Frauen am häufigsten im Alter zwischen 50-59 Jahre (jede 6. = 17%)
    Frauen mit höherem sozialen Status trinken - auch im Alter - häufiger riskante Mengen Alkohol als Frauen mit niedrigem Sozialstatus. (RKI, Journal of Health Monitoring 2016, Daten der DEGS 1)
    Riskanter Konsum = tägliche Menge Alkohol, ab der das Risiko für zahlreiche Erkrankungen deutlich erhöht ist:
    Männer: 20g Reinalkohol/Tag = 2 Gläser à 0,3 Liter
    Frauen: 12g Reinalkohol/Tag = 1 Bier à 0,3 Liter oder cas. 0,1 Liter Wein
  • Anstieg Krankenhausbehandlungen wegen akuter Alkoholintoxikation von 2010 - 2015:
    • Bundesweit
      55-60-Jährige: plus 21% (von 7.772 auf 9.436)
      60-65-Jährige: plus rund 40% (von 4.386 auf 6.123)
    • NRW
      55-60-Jährige: plus 19% (von 1.781 auf 2.114)
      60-65-Jährige: plus rund 43% (von 985 auf 1.395)
  • 2-3% der über 60 jährigen Männer und 0,5 -1% der über 60-jährigen Frauen sind von Alkoholmissbrauch oder -abhängigkeit betroffen (= 400.000). (Weyerer 2011)

  • 34% der 65-79-jährigen Männer und 18% der 65-79-jährigen Frauen trinken – laut Selbstauskunft - so viel Alkohol, dass ihr Risiko für zahlreiche Krankheiten deutlich erhöht ist. Insbesondere steigt die Häufigkeit des Risikokonsums bei Frauen mit dem sozioökonomischen Status an (Hapke/von der Lippe/Gaertner 2013 – DEGS1).

  • Ein Rauschkonsum (d.h. sechs und mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit, mindestens einmal im Monat) lag bei 22,5% der Männer und 7,5% der Frauen im Alter zwischen 65 und 79 Jahren – laut Selbstauskunft vor (Hapke/von der Lippe/Gaertner 2013 – DEGS1).

  • Verschiedene Studien zusammengefasst zeigen im Zeitverlauf, dass bei Frauen ein stetiger Rückgang des riskanten Alkoholkonsums in allen Altersgruppen stattfindet. Aber insbesondere bei Männern im Alter zwischen 55 und 69 Jahren stagniert der Rückgang (RKI, Journal of Health Monitoring 2016, DEGS 1)
  • 19,3% der Männer und 3,8% Frauen sind bei Eintritt ins Pflegeheim alkoholabhängig! (Weyerer, Schäufele, Zimber 1999)

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Tabak

  • Unter den 60-69-Jährigen rauchen 22,7% der Männer und 16% der Frauen. 

  • Ab 70 Jahre und älter rauchen 9,8% der Männer und 5,2% der Frauen.
    (Statistisches Bundesamt 2014: Gesundheitswesen - Fragen zur Gesundheit - Rauchgewohnheiten der Bevölkerung - Mikrozensus 2013)

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Frau am See_breit

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